Oliver Bosse
Oliver Bosse
15.02.2021

Der dreibeinige Spagat – Gedanken-Yoga für gestresste Kommilitonen

In diesem Semester auch wieder den dreibeinigen Spagat zwischen Studium, Arbeit und Privatleben gemacht und kläglich dabei gelitten? Hier gibts viel Trost, Verständnis und Gedankenanstösse.

Oliverbosse

Das letzte Komma bei der Arbeit in Live Communications ist gesetzt, endlich ein Punkt. Während ich diese Zeilen schreibe, steht mein Laptop sinnbildlich für meine Verfassung: Aufgeheizt von tagelanger Schreibarbeit, die Lüftung schnauft sich mit scheinbar letzter Kraft durch die abschliessende Etappe des Semestermarathons. Akku ist so gut wie leer.

Ein Spagat mit zwei Beinen ist schon schwierig. Wie schafft man ihn dann mit drei: Arbeit, Studium und Privatleben? In den letzten Wochen waren einige Verrenkungen nötig, um das auf den ersten Blick unmögliche möglich zu machen. Die Slim Fit Jeans meines Zeit-, Energie- und Nervenmanagements kamen dabei arg an die Grenzen ihrer Strapazierfähigkeit. Doch damit ich nicht missverstanden werde, das hat nichts mit meinem in Zeiten von Homeoffice und -schooling angefressenen Gesässpolster oder der Tatsache zu tun, dass nicht nur die Trainerhose meines Vertrauens an Überbelastung leidet.

Ctrl.+Tab reicht leider nicht

Mit Hanumanasana, Low-Carb oder emotional aufgeladenen Spaziergängen im Laternenschein vorbei an der von Studenten verwaisten Lagerstrasse 5 kommt man bei dieser Herausforderung nicht weit. Die von der Laptop-Hardware abgegebene Wärme ersetzt noch lange nicht die sozialen Mangelerscheinungen und auch die virtuelle Gelenkigkeit, sich mit Ctrl.+Tab zwischen Teams-Meeting, Trümmern von Semesterarbeiten in Word-Files und Maileingang zu bewegen, löst die Probleme, die dieser Spagat mit sich bringt, noch nicht annährend auf zufriedenstellende Weise.

Aber fertig des überschwänglichen Pessimismus: Wie schafft man ihn denn jetzt, den Spagat mit drei Beinen? Alle die erwartet haben, dass ich diese Antwort im Stile des alten Weisen geben kann, der auf der Spitze des Studienolymps gelassen und genüsslich die Pfeife der gutbenoteten, eight to five easy life Sorglosigkeit raucht, haben mir bis hier hin nicht richtig zugehört. Auch ich habe meine liebe Mühe damit!

Erkenntnis muss trotzdem sein

Aber? Natürlich gibt es ein Aber: Dieser Blog ist dazu da, um euch zu erläutern, was ich gelernt habe. Genau das habe ich in diesem Semester gelernt: Mit diesem Spagat umzugehen – und ihn in Zukunft besser meistern zu können. Ich habe gelernt, dass gewisse Strapazen und Abstriche einfach dazugehören. Eine scheinbar simple Erkenntnis, sich derer bewusst zu sein allerdings schon grossen Einfluss darauf hat, wie man Mehrfachbelastungen annimmt und mit ihnen umgeht. Ich habe ausserdem aus den einzelnen Tasks wie Gruppenarbeiten gelernt, wo Probleme auftreten können. Auch dies klingt, dessen bin ich mir bewusst, sehr oberflächlich. Aber diese Erfahrungen sind individuell, müssen aber bewusst in die nächste Arbeit mitgenommen und daraus gelernt werden, damit es bei künftigen Spagaten nicht wieder ganz so schlimm im Schritt zwickt.

Dabei waren natürlich die Vorlesungen, Arbeiten und Prüfungen in diesem Semester nicht einfach Teil des Problems, wie es bis hierhin vielleicht wirken könnte, sondern ebenfalls Teil der Lösung. Es sind Kurse wie Projektmanagement, die Ansätze dafür bieten, das Risiko der kompletten Überforderung, Pleiten, Pech und Pannen im Studien- und Büroalltag auf ein Minimum zu reduzieren. Es sind Soziologie, Ethik und Politologie, die uns gerade in der aktuellen Corona-Zeit zu verstehen helfen, dass alles, was mit und um uns herum passiert, auch eine komplexe menschliche Komponente hat und warum nicht nur unser persönlicher Spagat von Bedeutung und schwierig zu vollziehen ist, sondern auch derjenige zwischen Wirtschaft und Menschenleben, warum wir zurzeit auf die bierselige Eintracht im Kommilitonenkreis und auf belohnend-erquickendes Gruppenkuscheln nach mühseligen Stunden voller Arbeiten und Prüfungen verzichten müssen.

Diese reim- aber nicht inhaltlose Prosa würde ich gerne mit dem Kurs Mediensysteme respektive Journalismus rechtfertigen. Auch ein Blog wie dieser lebt doch von Meinungsäusserungsfreiheit, einer leicht angespitzten Feder und einigen erheiternden Formulierungs-Oasen in der Textwüste – und schliesslich irgendwann von einem Punkt.

In diesem Sinne: Es ist Zeit, den Akku wieder aufzuladen. Bis zum nächsten Spagat!