Alessia Bellafiore
Alessia Bellafiore
08.02.2021

Mental Breakdown im Corona Zeitalter

Wir kennen es alle – das Studium verändert unsere Denkweise, Ansichten und Prioritäten. Doch was passiert, wenn dies alles mit einer globalen Pandemie einherkommt? Was verändert das – verändert sich überhaupt etwas?

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Ich weiss, dass es vielen ähnlich ergeht. Darum möchte ich euch erzählen, wie ich die letzten Monate bestritten habe – und wie mir das Studium an der HWZ dabei geholfen hat.

Im Februar 2020 las ich in den Zeitungen von einem neuen Virus in China, welches sich rasant ausbreitete. Ich dachte mir nichts Grosses dabei, lebte weiter mein Leben und vergass die Schlagzeile. Wenn ich da nur gewusst hätte, was alles auf mich zukommen würde…

Bereits einen Monat später wurde ausgerufen, dass wir uns in einer globalen Pandemie befinden. Der erste Lockdown folgte – und somit auch alle Hamsterkäufe und Panikanflüge. Die HWZ stellte auf Fernunterricht um und wir Studenten mussten alle Gruppenarbeiten über Microsoft Teams lösen. Wir wurden praktisch eingesperrt – doch wussten wir, dass es im Sommer bessern wird. Tatsächlich, im Sommer 2020 konnten wir einigermassen wieder normal leben, die Clubs und Bars hatten geöffnet und wir konnten uns alle wieder treffen. Doch ich hatte nicht die Annahme gehabt, dass das Coronavirus bald wieder alles eindämmen würde.

Das Herbstsemester begann und wir konnten wieder vor Ort unser Studium bestreiten. Doch schon bald begann sich das Virus wieder auszubreiten und wir verbrachten unsere Abende erneut zu Hause. Abgeschnitten von der Aussenwelt, fast schon eingepfercht im eigenen Zimmer, setzten wir uns abends vor den Laptop, um uns übers Teams in den Unterricht zu schalten. Tagsüber arbeitete ich zu Hause, genauso wie meine Familie. 24/7 sassen wir praktisch aufeinander, spürbare Spannungen lagen in der Luft. Jeder Tag lief genau gleich ab, ich stand auf, arbeitete, und am Abend war es Zeit zu lernen oder am Unterricht teilzunehmen. Die Tage vergingen wie im Flug, und doch vergingen sie irgendwie nicht. Sogar samstags und sonntags verbrachte ich meine Zeit hinter dem Laptop, um Gruppenprojekte zu erledigen. «Geht es so weiter? Kann es so weitergehen?» fragte ich mich immer wieder. Ich konnte nicht mehr. Ich empfand keine Emotionen mehr, kein Glück und keine Freude. So verbrachte ich meine einzigen freien Stunden am Tag in den sozialen Medien, flüchtete von meiner Welt in eine Scheinwelt.

Alle Projekte, welche wir zu erledigen hatten, Prüfungen, Selbststudium und die Arbeit dazu – ich wusste nicht mehr wo mir der Kopf steht. Ich verlor mich in einem Wirrwarr zu erledigender Dinge, an eine Übersicht oder Organisation war kaum zu denken. Dank der Ladenschliessung shoppte ich mir nun den Frust online von der Seele und entdeckte dabei eine Agenda. Sie war nichts Spezielles, aber das Design hat es mir angetan. Ich fasste einen Entschluss: Mit Hilfe dieser Agenda werde ich mein Leben wieder in den Griff bekommen. Einige Tage später war mein Prachtexemplar da und ich begann, plötzlich motiviert, alles zu notieren. Dank einer To-Do Spalte konnte ich alle offenen Arbeiten übersichtlich erfassen, die Termine konnte ich im Kalender eintragen und sogar für die eigenen Notizen war Platz. Sogleich steckte ich meine Mitstudentinnen an und auch sie kauften eine Agenda und begannen, alles aufzuschreiben. Es fühlte sich fast schon wie eine Erleichterung an, Gedanken auf das Papier niederzuschreiben und sie organisiert vor sich zu sehen.

Es war ein kleiner, aber wichtiger Schritt. Ein Schritt in die Besserung, in die Hoffnung.

Das Studium und die ganzen Gruppenarbeiten in den letzten Semestern lehrten mich nicht nur Fachliches, sondern noch vieles mehr. Dinge, welche ich vorher gar nicht beachtet habe, bekamen nun plötzlich Wichtigkeit. Die Organisation von zu erledigenden Arbeiten war nicht mehr bloss eine Organisation, sondern eine Struktur, eine Planung des eigenen Lebens. Die HWZ lässt mich nicht nur fachlich wachsen, sondern auch mental. Durch das Coronavirus wurde das Ungesehene und Unerkannte offensichtlich. Das Studium zeigt mir, dass es einen starken Willen braucht, eine Zielstrebigkeit sowie der Glauben an sich selbst – nur so kann man es absolvieren.