Jan Klemm
Jan Klemm
02.02.2026

Die grüne Wiese als Prüfstein strategischen Denkens

Im Rahmen des Moduls Digital Tools und Channels, Publishing wurde eine Gruppenprojektarbeit durchgeführt, deren Ziel die Planung, Umsetzung und Analyse einer crossmedialen Kampagne war. Charakteristisch für dieses Projekt war weniger die technische Umsetzung als vielmehr die Arbeit unter offen gehaltenen Rahmenbedingungen.

Grüne Wiese

Die Projektarbeit wurde in einer vierköpfigen Gruppe realisiert. Als Markenbasis wählten wir Nutriathletics, einen Hersteller qualitativ hochwertiger Sportnahrung mit klarer Positionierung im professionellen Leistungssport. Ausgangspunkt unserer Arbeit war die kritische Auseinandersetzung mit dieser Positionierung. Wir identifizierten, dass insbesondere ambitionierte Hobbysportler ein relevantes, bislang unzureichend adressiertes Marktpotenzial darstellen. Auf dieser Grundlage entwickelten wir eine crossmediale Kampagne, die diese Zielgruppe gezielt anspricht.

Arbeiten ohne vorgegebene inhaltliche Schwerpunkte

Die offene Aufgabenstellung stellte von Beginn an eine zentrale Herausforderung dar. Im Gegensatz zu früheren Projekten wurden lediglich Mindestanforderungen formuliert, ohne klare inhaltliche Leitplanken oder thematische Schwerpunkte vorzugeben. Diese Freiheit führte zunächst zu Unsicherheiten innerhalb der Gruppe und erschwerte die Priorisierung. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass strategische Klarheit nicht vorgegeben, sondern aktiv erarbeitet werden muss.

Genau diese Arbeit auf der grünen Wiese erwies sich im Projektverlauf als besonders lehrreich. Erst durch intensive Diskussionen, iterative Konzeptschärfung und bewusste Entscheidungen gelang es, einen tragfähigen Fokus zu definieren. Die Erfahrung zeigte, dass Offenheit nicht mit Beliebigkeit gleichzusetzen ist, sondern ein hohes Mass an Strukturierungsfähigkeit, Eigenverantwortung und strategischem Denken erfordert.

Zusammenarbeit und Koordination im Team

Auch die Zusammenarbeit im Team gewann unter diesen Bedingungen an Bedeutung. Bei hoher Komplexität und fehlenden Vorgaben sind klare Rollenverteilungen, verbindliche Absprachen und kontinuierliche Kommunikation entscheidend. Das Projekt verdeutlichte, dass Koordination kein administrativer Zusatz, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor ist.

Der tatsächliche Arbeitsaufwand übertraf die ursprünglichen Erwartungen deutlich. Eine crossmediale Kampagne erfordert nicht nur kanalübergreifende Präsenz, sondern inhaltliche Kohärenz und strategische Abstimmung. Diese Konsistenz herzustellen war anspruchsvoll und machte sichtbar, wie schnell konzeptionelle Unschärfen zu Mehraufwand führen können.

Abschlussphase und Ergebnis

Durch das begleitende Coaching der Dozierenden sowie eine erhöhte Eigeninitiative der Gruppe konnte das Projekt in der Endphase gezielt weiterentwickelt und erfolgreich abgeschlossen werden. Die intensive Arbeit zahlte sich in einem schlüssigen Gesamtkonzept aus.

Rückblickend zeigte das Projekt exemplarisch, wie relevant das Arbeiten auf der grünen Wiese für die berufliche Praxis ist. Klare Briefings und eindeutige Vorgaben sind dort eher die Ausnahme als die Regel. Umso wichtiger sind die Fähigkeiten, Unsicherheit auszuhalten, Strukturen selbst zu schaffen und fundierte strategische Entscheidungen zu treffen. Genau diese Kompetenzen standen im Zentrum der Projektarbeit und stellen einen nachhaltigen Mehrwert über das Studium hinaus dar.

Differenzierung durch bewusst genutzte Freiräume

Rückblickend zeigte das Projekt exemplarisch, welches Potenzial in der Arbeit auf der grünen Wiese liegt. Die bewusst offenen Rahmenbedingungen ermöglichten es, eigene Schwerpunkte zu setzen und sich inhaltlich wie konzeptionell klar von anderen Ansätzen abzugrenzen. Gerade dieser Freiraum schafft die Voraussetzung, eigenständige Perspektiven zu entwickeln und nicht lediglich vorgegebene Lösungen zu reproduzieren. Das Projekt verdeutlichte, dass Differenzierung und Profilbildung insbesondere dort entstehen, wo Freiheiten aktiv genutzt und strategisch gefüllt werden. Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass künftig ein stärkerer Fokus darauf gelegt werden sollte, diese Freiräume gezielt zu nutzen, um eigenständige und klar unterscheidbare Konzepte zu entwickeln.