Vom Konzern in ein KMU: Wie Kommunikation im Elektroalltag zum Betriebssystem wird
07:12 Uhr, das Telefon klingelt. Ein Kunde meldet einen Stromausfall, parallel kommt eine Terminverschiebung herein, und auf der Baustelle fehlt eine Information. Im Elektroinstallations- und Kundendienstalltag ist das kein Ausnahmezustand, sondern Normalität. Seit ich in einem Oberwalliser KMU tätig bin, sehe ich deutlicher denn je, dass Kommunikation hier nicht „nice to have“ ist, sondern das Betriebssystem, das entscheidet, ob der Tag rund läuft oder ob aus kleinen Unklarheiten teure Reibungen entstehen.
Der Wechsel: Ähnliche Strukturen, mehr Wirkung
Im Konzern tragen Prozesse und Standards vieles automatisch. Zuständigkeiten sind klar, Vorlagen existieren, Informationswege sind etabliert. In einem KMU ist vieles ähnlich, jedoch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Die Wege sind kürzer und damit auch die Wirkung jedes Satzes grösser. Ein kurzer Hinweis kann Orientierung geben, aber auch Verunsicherung auslösen, wenn Kontext fehlt. Kommunikation ist nicht nur das Weitergeben von Informationen, sondern vor allem Orientierung. Im Alltag bedeutet das für mich, Themen konsequent zu strukturieren. Ohne Planung entsteht Chaos.
In meiner Rolle als administrative Drehscheibe zwischen Kundschaft, Monteuren, Projektleitung und Lieferanten wird diese Logik sehr konkret. Je klarer ich Aufträge, Erwartungen und nächste Schritte kommuniziere, desto weniger Rückfragen entstehen und desto effizienter läuft die Ausführung.
Lehrlingsgewinnung: Das Problem liegt nicht nur am Markt
Der Lehrlingsmangel in der Elektrobranche ist real. Doch neben dem Markt gibt es einen Faktor, den Betriebe stark beeinflussen können, nämlich Sichtbarkeit und Vertrauen. Lehrlinge werden nicht nur mit einer Lehrstelle überzeugt, sondern mit einer Geschichte. Antworten auf Fragen wie „Wie ist es bei euch wirklich? Was lerne ich? Wer begleitet mich?“, sind seitens der Bewerbenden zentral.
Wie so oft im Studium gepredigt, ist die Identifikation der Stakeholder von hoher Bedeutung. Jugendliche entscheiden selten alleine. Eltern, Schule und Umfeld spielen mit. Daraus folgt, dass eine Botschaft nicht reicht. Es braucht einen konsistenten Kern und passende Argumente pro Zielgruppe.
Nun stellt sich die Frage nach dem richtigen Mix. Eine Lehrstellenanzeige ist kurzfristig, aber nicht nachhaltig. Sichtbarkeit entsteht über wiederholbare Formate und echte Einblicke. Für einen Elektrobetrieb heisst das in der Praxis nichts anderes als kurze, authentische Inhalte aus dem Alltag (z.B. „1 Tag im Kundendienst“, „Baustellen-Update“, „Lehrling erklärt ein Tool“), kombiniert mit klaren Owned-Touchpoints wie einer verständlichen Lehrlingsseite und einem unkomplizierten Schnupperprozess. Entscheidend ist nicht Hochglanz, sondern Glaubwürdigkeit.
Mitarbeiteranlässe: Kultur ist interne Kommunikation in Echtzeit
Wer im Kundendienst und auf Baustellen arbeitet, ist selten komplett am gleichen Ort. Der Alltag verteilt das Team und damit auch die Kommunikation. Genau deshalb sind Mitarbeiteranlässe für mich mehr als Benefits. Sie sind ein Instrument, um Kultur bewusst zu gestalten und zu leben.
Ein gelungener Anlass transportiert ohne grosse Worte Wertschätzung, Zusammenhalt und Identität. Und er schafft Raum für Austausch zwischen Menschen, die im Tagesgeschäft oft nur kurz Kontakt haben. Wenn man Events mit dem Wissen aus Live Communications/Event/Sponsoring plant, werden sie zu einer echten Kommunikationsmassnahme. Ziel definieren (z.B. Bindung stärken), Stakeholder berücksichtigen (alle Rollen im Betrieb), eine klare Leitidee setzen („äs härzlichs Merci“, „Gemeinsamkeit“, „Zukunft“) und die Touchpoints vor, während und nach dem Anlass bewusst gestalten.
Die interne Kommunikation muss zum Arbeitsalltag passen. Nicht jeder liest lange Mails. Oft funktionieren kurze Infos, einfache Reminder und persönliche Ansprache deutlich besser besonders in Teams, die viel unterwegs und breit verstreut sind.
Wenn Kommunikation stimmt, läuft der Betrieb
Der Betriebs- und Branchenwechsel hat mir gezeigt, dass die Kommunikation in im Alltag keine Verpackung, sondern Infrastruktur ist. Sie entscheidet darüber, intern wie auch extern, ob Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Gleichzeitig ist sie ein Hebel für die Zukunft. Wer Lehrlinge gewinnen will, muss sichtbar und glaubwürdig sein. Kultur muss aktiv gepfelgt werden, wer ein Team langfristig halten will, auch über Anlässe, die mehr bewirken als man denkt.
Was ich aus dem Studium besonders mitnehme ist, dass Kommunikation nicht einfach passiert. Sie lässt sich planen, gestalten, verbessern und genau darin liegt eine grosse Chance.