Sarah Handschin
Sarah Handschin
07.02.2022

Wie die Semesterarbeit zum Real-Case wurde

Im Rahmen einer kursübergreifenden Projektarbeit im Fach Digital Tools & Channels durften wir eine crossmediale Kampagne über den gesamten Entstehung- und Publikationszyklus entwerfen und (teil-)realisieren. Dazu sollten wir eine halbfunktionsfähige Kampagnen-Website erstellen. Für die Auswahl des Projektes waren wir weitgehend frei. Es durfte mit einem fiktiven oder realen Unternehmen, einer öffentlichen Institution, Vereinen oder anderen Organisationen stattfinden. Als Beispiel für die Kampagne konnten wir eine Lancierung oder einen Relaunch eines Produktes bzw. einer Dienstleistung dokumentieren.

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Als sich meine vom Dozenten ausgeloste Gruppe zusammensass und über die Themenfindung brainstormten, kam mir sofort meine Kindheitsfreundin Rémy in den Sinn. Ende August startete sie ihr eigenes Unternehmen für Hundeaccessoires mit der Eröffnung eines Online-Shops. Dieses tretet unter dem Namen Canis Major auf, benannt nach dem Sternbild des grossen Hundes. Wir wuchsen zwar zusammen auf, verloren uns in den letzten Jahren aber aus den Augen. Als mir meine Mutter von Rémys Plänen erzählte, hatte ich schnell grosses Interesse daran, ihr beim Erfolg ihres Start-ups zu helfen. Meine Gruppe und ich – alle Hundeliebhaber – fanden die Idee super, unsere Semesterarbeit ihrem Jungunternehmen zu widmen. Wir alle waren sofort von ihren Produkten sowie dem Konzept, das dahintersteckt. Alle ihre Produkte werden so nachhaltig wie möglich eingekauft, weiterverarbeitet und versendet und von Rémy und ihrer Mutter Brigitte von Hand in Zürich hergestellt. Brigitte arbeitet bereits seit 40 Jahren als Innendekorateurin und kennt daher eine Vielzahl von Stoffen und Materialien. Für ihre Produkte sind sie immer auf der Suche nach qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Materialien. So ist auch ihre Hundeleine aus veganem Leder. Dieses wird eigentlich für Bootsmobiliar verwendet, besitzt aber ähnliche Materialanforderung wie Canis Major für ihre Hundeleinen voraussetzt. Es ist wasserabweisend und kann daher nicht schimmeln. Die Farben bleichen auch bei starker UV-Einstrahlung nicht aus. Dazu kann die Lederalternative mit Seife gereinigt und sogar desinfiziert werden.

Bei einem kurzen Anruf war Rémy begeistert von der Idee, dass wir unsere Semesterarbeit Canis Major widmen möchten. Sie hat uns ihr Problem, dass sie den Fokus auf die falsche Zielgruppe gesetzt habe, geschildert. Ihre Bildsprache und Kommunikation zielten auf Abendteuer-Hunde mit naturliebenden Besitzern ab. Ein paar Anfragen später erkannte sie aber viel mehr Potenzial bei urban lebenden Hundebesitzern und Hundebesitzerinnen. Wir haben uns daher für eine Relaunch Kampagne für Canis Major entschieden und nannten diese «the urban relaunch».

Beim Schreiben der Arbeit haben wir viel über ihr Kleinunternehmen gelernt. Wir haben dazu einen Einblick in die Entstehung einer Firma erhalten und gesehen was alles dazugehört. Spannend war die Arbeit vor allem, da es sich um einen realen Case handelte. Wir wussten, dass wir mit dem was wir erarbeiten jemandem weiterhelfen können und uns so auf konkrete Zahlen stützen können. Die Arbeit war daher sehr praxisnah, was sie einfacher und greifbarer gestaltete.

Die Herausforderung lag darin, dass wir im fünften Semester einige Arbeiten hatten, die wir unter einen Hut bringen mussten. Darunter vier Gruppenarbeiten, die alle in unterschiedlichen Gruppen zu bewältigen waren. Man spürte, wie jede Person in einem anderen Tempo arbeitet und sich die Prioritäten anders setzt. Das erschwert die Arbeit in den Gruppen und zieht den Schreibprozess in die Länge. Kurz vor der Abgabe der Arbeit in Digital Tools & Channels, als es darauf ankam, zogen wir aber alle an einem Strang und konnten so schlussendlich eine spannende und umfängliche Arbeit abgeben. Erfreulich war, dass unsere Arbeit dazu geführt hat, dass Rémy einige Vorschläge und Ideen verwenden konnte und jetzt in Wirklichkeit umsetzt. Die Website gestaltet sie neu ähnlich wie unsere Landingpage für die Arbeit. Das neue Farbkonzept, das wir für die Erreichung der urban lebenden Hundehalter als passender gesehen haben, hat sie eins zu eins übernommen. Bei der Erstellung der neuen Produktfotos durfte ich sogar mithelfen und fungierte als Fotomodel.

Mit dieser Arbeit habe ich also nicht nur sehr viel über die Entstehung eines Start-ups und die Erarbeitung einer crossmedialen Kampagne gelernt. Ich konnte auch die Beziehung zu Rémy wieder aufbauen und wir tauschen uns noch jetzt fast täglich über Ideen für Canis Major aus. Ausserdem habe ich mir einen kleinen Job als Hundesitter an Land gezogen.