Turbulenter Start ins Auslandsemester in Lissabon
Die ersten zwei Wochen im Auslandssemester sind vorbei. Zeitlich betrachtet nicht wirklich viel. Inhaltlich jedoch ziemlich alles. Ankommen, orientieren, staunen, frieren, lachen und wieder frieren. Und irgendwo dazwischen versuchen, einen Alltag neben Arbeiten, Schule und feiern aufzubauen.
Die erste Woche habe ich bei einem guten Kollegen von mir gewohnt. Übergangslösung zum Glück. Es war unkompliziert, freundlich und genau das, was man zum Start braucht. Kein Stress, kein Alleinsein und immer jemand der da ist. Gleichzeitig aber auch sehr provisorisch. Der Koffer stand ständig im Weg, der Rucksack hatte keinen festen Platz und irgendwie lebte ich aus genau diesen zwei Dingen. Es fühlte sich ein bisschen an wie Camping, nur ohne Zelt, aber mit WLAN.
Nach dieser ersten Woche kam dann der grosse Moment, meine eigene Wohnung. Und ich muss sagen, sie ist wirklich wunderschön. Viel Raum, moderne Einrichtung, viel Licht und Charme. Die Lage könnte nicht zentraler sein und auch Kaffees sowie feine Restaurants bringt die Location mit sich. Leider kommt diese Schönheit nicht ohne Nebenwirkungen. Die Waschmaschine ist kaputt. Dem Kühlschrank fehlt eine Türe im inneren und es ist alles andere als warm. In keiner Wohnung. Ein Fun Fact, den mir niemand vorher gesagt hat: In Lissabon ist es in den Wintermonaten draussen oft wärmer als drinnen. Egal in welcher Wohnung. Egal wie schön sie ist. Für mich heisst das also Pullover an, Socken an und akzeptieren, dass die 10 Zentimeter langen Heizungen hier eher Deko sind.
Der Welcome Day war dann der erste richtige Berührungspunkt mit der Universität und meinem neuen Umfeld. Ich habe viel gelernt. Allerdings weniger über den Unterricht, dafür sehr viel über das Sozialleben. Party scheint hier fast ein Pflichtfach zu sein, was sich für mich natürlich ideal anhört. Schule kommt auch vor – aber in den ersten zwei Wochen nicht immer an erster Stelle. Dazu kam die Erkenntnis, dass sich Lissabon stellenweise überraschend deutsch anfühlt. Gefühlt bestehen 90 Prozent der Menschen um mich herum aus Deutschen. Im Tram, im Café, auf der Strasse und vor allem in Bairro Alto. Überall Deutsch. Trotzdem – und das ist das Wichtige – hat es, inklusive vielen Deutschen, extrem viele spannende, offene und richtig coole Leute. International, neugierig, kommunikativ und auch sehr unterhaltsam. Menschen, mit denen man sofort ins Gespräch kommt und Lust bekommt, mehr zu unternehmen.
Was mich ebenfalls von Anfang an begleitet hat, waren tägliche Sturmwarnungen auf meinem Handy. Wirklich täglich. Jeden Morgen eine neue Nachricht. „Severe weather alert.“ „Stay safe.“ Danke dafür. Ich sitze im Café. Oder im Unterricht. Oder irgendwo im Trockenen. Aber gut zu wissen, dass es theoretisch stürmt.
In der zweiten Woche hat dann endlich die Schule richtig begonnen. Und damit auch so etwas wie Struktur. Neue Gesichter, spannende Dozenten und Module, auf die ich mich ehrlich freue. Man merkt schnell, dass hier viel Wert auf Austausch, Praxis und unterschiedliche Perspektiven gelegt wird. Genau das, was ich mir von diesem Auslandssemester erhofft habe.
Langsam kommt alles an seinen Platz. Noch nicht perfekt. Noch nicht vollständig organisiert. Aber das Chaos wird kleiner. Und das Gefühl grösser, dass diese Zeit etwas Besonderes wird. Wenn die ersten zwei Wochen schon so intensiv waren, darf man gespannt sein, was noch kommt.