Larissa Riesen
Larissa Riesen
08.02.2026

Live Communication als Antwort auf digitale Erschöpfung

Zwischen Swipe-Fatigue und Entscheidungsstress gewinnt Live Communication an Bedeutung. Ein Praxisprojekt aus dem Bereich Eventkommunikation zeigt, wie Begegnungen im realen Raum neue Relevanz erhalten.

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Swipen, matchen, weiterswipen – Online-Dating verspricht Nähe und produziert oft Distanz. Viele junge Erwachsene sind digital permanent vernetzt und fühlen sich gleichzeitig sozial erschöpft. Die Sehnsucht nach echten Begegnungen wächst. Nicht als nostalgischer Rückschritt, sondern als bewusste Gegenbewegung zur Reizüberflutung.

Genau hier setzt Live Communication an. Im Modul Event / Sponsoring / Live Communication stand die Frage im Zentrum, wie Kommunikation im realen Raum wieder spürbar gemacht werden kann. Nicht als Kampagne oder Botschaft, sondern als Erlebnis, das Nähe ermöglicht und Vertrauen aufbaut.

Wenn Kommunikation mehr ist als eine Botschaft

Live Communication wirkt dort, wo Menschen sich begegnen, ohne sich inszenieren zu müssen. Atmosphäre, Raumführung und Ablauf beeinflussen, wie offen Gespräche entstehen. Ein Apéro senkt Hemmschwellen, ein gemeinsames Essen schafft Verbindlichkeit, Bewegung im Raum bringt neue Dynamik. Kommunikation findet dabei oft leise statt – aber nachhaltig.

Gerade bei Formaten, in denen Menschen sich neu kennenlernen, zeigt sich: Sicherheit und Orientierung sind keine Nebensache. Sie entscheiden darüber, ob sich Gäste öffnen oder zurückziehen. Sichtbare, aber unaufdringliche Strukturen wirken hier stärker als jedes Wort auf der Bühne.

Ein Event als Kommunikationsformat: fertig gswiped – 150 Dates

Diese Überlegungen wurden im Projekt fertig gswiped – 150 Dates konkret umgesetzt. Das Konzept sieht ein Live-Speeddating-Event in Zürich vor, bei dem an einem Abend rund 150 Dates stattfinden. Die Gäste wechseln strukturiert ihre Gesprächspartner:innen und bewegen sich dabei durch einen klar inszenierten Ablauf aus Apéro, Dinner, moderierten Programmmomenten und offenem Ausklang.

Ziel ist es, einen sicheren, humorvollen und ästhetischen Rahmen zu schaffen, in dem Begegnungen natürlich entstehen können. Statt Zeitdruck und Vergleichsdynamiken steht das gemeinsame Erleben im Vordergrund. Das Event ist bewusst als ganzheitliche Experience konzipiert – von der Raumaufteilung über das Menü bis hin zu Sicherheits- und Awareness-Massnahmen – und versteht sich als Gegenentwurf zu anonymen digitalen Dating-Formaten.

Sponsoring im Dienst des Erlebnisses

Auch Sponsoring verändert im Kontext von Live Communication seine Rolle. Wirkung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Relevanz. Dort, wo Partner sinnvoll in das Erlebnis eingebettet sind und einen echten Mehrwert für die Gäste schaffen, wird Sponsoring nicht als Werbung wahrgenommen, sondern als Teil des Abends.

Diese Zurückhaltung ist anspruchsvoll, aber wirksam. Sie verlangt ein Umdenken: weg von Aufmerksamkeit um jeden Preis, hin zu Bedeutung im richtigen Moment.

Warum Live Communication an Relevanz gewinnt

Die Auseinandersetzung mit Live Communication zeigt, warum Events auch in einer digitalen Welt unverzichtbar bleiben. Sie lassen sich nicht skippen, nicht vorspulen und nicht anonym konsumieren. Begegnungen finden im selben Raum, zur selben Zeit statt – und genau darin liegt ihre Stärke.

Live Communication ist damit mehr als ein Kommunikationsinstrument. Sie ist eine Antwort auf eine zunehmend digitale Gesellschaft – und ein Hinweis darauf, dass echte Verbindung dort entsteht, wo Menschen einander tatsächlich begegnen.